Wein und Schokolade

massimo-adami-kx2EWR6ObZM-unsplash

Die Costa dei Gelsomini in Kalabrien ist nach dem Jasmin benannt, der hier so üppig wächst wie früher das Verbrechen. Tatsächlich kann man sich in Europa kaum eine Region vorstellen, die von der Natur so verwöhnt wird und gleichzeitig so bitterarm ist.

Früher lebte die Spitze des italienischen Stiefels von der Frömmigkeit. Pilger zogen in die Heiligtümer im Aspromonte. Beispielsweise wurde Polsi von Mönchen aus Griechenland gegründet, die vom achten bis ins neunte Jahrhundert vor den Bilderstürmern geflohen waren und herrliche Ikonen nach Kalabrien brachten.

Eine wichtige Einnahmequelle war bis ins 20. Jahrhundert auch die Viehwirtschaft. Leider erwies die sich aber als derart ärmlich, dass die Ziegenhirten fragwürdige Nebengeschäfte eingehen mussten.

So konzentriert sich die Landwirtschaft heute zunehmend auch wieder auf den Anbau der Bergamotte: „Aus einer Tonne Früchte gewinnen wir etwa 10 Liter Öl im Wert von etwa 200 Euro pro Liter.“ Von November bis Februar ist Erntezeit. Dann holen die Landwirte auch Fremdarbeiter für die Ernte: „Zu uns kommen stets ein paar Inder zum Pflücken. Das geht nur von Hand, damit die Fruchthaut unversehrt bleibt“, sagt Valeria.

Die Öle sind vielseitig verwendbar. In der Medizin dienen sie als natürlicher Cholesterinsenker, und als Zusatzstoff machen sie einen schwarzen Tee zum „Earl Grey“. Seit dem 19. Jahrhundert wird in England „Earl Grey“ getrunken.

„In unserem Biobetrieb verwenden wir keine Chemikalien. Das sieht man an den bisweilen kranken Blättern. Viel schlimmer aber wäre schlechtes Öl.“

Lange habe man das Fruchtfleisch einfach weggeworfen, sagt Valerias Mann, Fabio. Mittlerweile aber entwickle sich langsam auch ein Markt für die anderen Produkte, die der Unternehmer sogleich stolz ausbreitet. „Aber Sie können sich gar nicht vorstellen, wie viele Genehmigungen man braucht, um ein neues Produkt auf den Markt zu bringen.“ Noch habe er es mit dem Saft der Bergamotte nicht in die Supermärkte der italienischen Großstädte geschafft. „Unser Problem ist nicht das organisierte Verbrechen“, meint er; leider ganz einfach: Die Bürokratie und die schlechte Verkehrsanbindung behindern ihn.

Dabei wäre alles tatsächlich einfach: der Geschmack der Frucht, kombiniert mit der Sensation des ebenso omnipräsenten Olivenöls verhilft auch den regionalen Schokolade-Produkten zu einer Einzigartigkeit, die ihresgleichen sucht. Vielleicht gelingt es den lokalen Produzenten doch noch die Bürokratie so zu lenken, dass diese Innovativen und gleichzeitig uralten Rezepturen ihren Weg auch in die Supermärkte jenseits von Kalabrien finden.